Mikrobetriebe mit geringerer Finanzlast

Ohne Markennamen mussten viele Mikrobetriebe auch aus der Textilindustrie aufgeben.
Unternehmer dürfen wieder Steuersatz wählen
Von Siegfried Thiel
Der Stichtag ist bald da. Spätestens am 31.Januar müssen Inhaber von Mikrobetrieben in Rumänien Farbe bekennen und sich entscheiden: Entweder 16 Prozent Gewinn- oder drei Prozent Umsatzsteuer. Seit nahezu zwei Jahren geht es in dieser Hinsicht nur noch auf und ab, nun sollen Kleinstbetriebe – mit maximal neun Arbeitnehmern und einem Höchstumsatz von umgerechneten 100.000 Euro – selbst entscheiden können, welche Variante sie vorziehen.
„Ich ziehe eine dreiprozentige Umsatzsteuer vor“, sagt Ion M. „Die abschreibbaren Ausgaben sind bei dieser Steuervariante nicht mehr oberste Priorität und so werden die buchhalterischen Auflagen gesenkt“, sagt der Unternehmer, der damit auch gleich so manche Einsparung im Bereich Primärbuchhaltung erkennt. Seit Mai 2009 schlägt er sich irgendwie durch und ist glücklich, dass er nicht zu den Tausenden von Firmeninhabern gehört, die aufgegeben haben, als 500 Euro Mindeststeuer/Jahr Pflicht war und keine Rücksicht auf Ausgaben, Profit und Wirtschaftskrise genommen wurde. Rumäniens Premierminister Emil Boc hatte angedeutet, dass mit der Maßnahme einer Mindeststeuer Briefkastenfirmen vom Markt genommen werden sollten. Bekannt sind aber auf kleine Firmen, in denen bloß der Inhaber eingestellt war und ihm durch die 500-Euro-Regelung nahezu zwei Monatslöhne verloren gingen. Fehlende Aufträge aber auch Frust ließen so manchen aufgeben: Schätzungsweise 160.000 KMU sind  landesweit innerhalb von eineinhalb Jahren  pleite gegangen oder haben aufgegeben – die meisten davon Mikrobetriebe. 
Wie so oft, hat auch dieses Gesetz seine Lücken und Tücken. Firmen, die ihr Geld im Bereich der Banken, der Versicherungen, des Glücksspiels, auf den Kapitalmarkt (ausgenommen die Mittlerfirmen) verdienen, oder im Bereich Beratung und Management verdienen, können nicht wählen und müssen die 16 Prozent Gewinnsteuer in Kauf nehmen. Strittig ist, wie gewertet wird, wenn ein Unternehmer eine breite Palette von Aktivitäten entwickelt – darunter auch eine der Sparten, bei denen die Gewinnsteuer obligatorisch ist. „Gerade das lässt erneut Spielraum für solche, die das Gesetz umgehen wollen“, sieht bereits jetzt manch einer unlautere Machenschaften und Willkür.
Der Temeswarer Wirtschaftsanalytiker Nicolae Taran glaubt, dass die Option ein Weg sei, die Steuerlast etwas zu lockern, doch was am meisten schadet, sei „die Inkonsequenz in der Gesetzgebung. Bereits jetzt wird gemunkelt, dass ab 2012 eine 16-prozentige Gewinnsteuer für Mikrobetriebe zur Pflicht wird“.
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