Das Nennenswerte und die Nachrichtenfalle

Dass wir von der Aufmerksamkeit leben, dürfte kaum jemandem von uns unbekannt sein. Man verkennt aber oft, dass diese Aufmerksamkeit für alle und alles gilt. Das Problem, sich ausreichend bemerkbar zu machen, haben nicht nur Schauspieler und Schriftsteller sondern auch die Wettervorhersage und die Wirtschaftsinstitute.
Wenn Schauspieler durch Skandale auffallen und Schriftsteller durch Exzesse, so kündigt die Wettervorhersage gerne die Klimakatastrophe an und das Wirtschaftsinstitut die Inflation. Wir, die allseits Betroffenen, die Bürger, oder wie wir uns sonst nennen mögen, befinden uns in der Nachrichtenfalle.
Das Problem rührt daher, dass in einer modernen Gesellschaft, alle Vorgänge nach dem Prinzip dieser Gesellschaft beschrieben werden. Die Einsortierung des Details erfolgt aufgrund der allgemein gültigen Sprachregelung. So kommt in unserem Fall zur Übertreibung das Klischee der Wahrnehmung hinzu.
Die Öffentlichkeit lebt von der stillschweigenden Annahme, das die Klischees sich im täglichen Umgang quasi automatisch abrufen lassen. Sie folgt also ihren Faustregeln. Diese Regeln wurden früher aufgrund von Erfahrungen von Generationen in Sprichwörtern gefasst und als gültige Weisheiten weitergereicht. Was damals auf Beobachtungen beruhte, ist heute Ergebnis der Spekulation. Der Begriff folgt nicht mehr der Realität, er wird ihr vorausgesandt. So kultiviert der Begriff Klimawandel mehr die Fantasie als die entsprechende Wirklichkeit. Er wurde zum Zweck der Aufmerksamkeitsfindung gestaltet.
Seit einigen Monaten ist zwar von der Krise des Euro die Rede, aber nicht von Inflation. Nun kommt die alles wieder infrage stellende Schreckensmeldung, im Dezember sei die Inflationsrate im Euroraum auf 2,2 % gestiegen. Das sei der höchste Stand seit Oktober 2008. So Eurostat, die Statistikbehörde der EU.
Wer sich heutzutage die Aufmerksamkeit erhalten will, muss schlicht genug in seinen Aussagen sein. Auch die Wirtschaftslage wird mit wenigen Klischees dargeboten. So heißt es, die potentiellen Einfalltore für Inflation stehen gerade in Deutschland sperrangelweit offen. Nebenbei: Das ist ein Bild der mittelalterlichen Burg. Wozu braucht eine aktuelle Beschreibung der Inflationsgefahr das Bild der mittelalterlichen Belagerung?
Die Effektivlöhne in Deutschland, heißt es weiter, dürften 2011 deutlich steigen. Man rechne mit handfesten Gewerkschaftsforderungen. Der schwächelnde Euro erfreue zwar die Exporteure, verteuere aber die Einfuhren. Logischerweise spricht man vom Risiko einer importierten Inflation. Also, irgendwie wird es schon klappen mit der Apokalypse. Kein Problem! Wir haben schließlich auch ein Schuldendesaster in Europa anzubieten. Dieses könnte Begehrlichkeiten bei den Regierungen wecken, die Schuldenberge durch Inflation real zu entwerten. Der politische Druck auf die Europäische Zentralbank, ihre expansive Geldpolitik aufrechtzuerhalten, dürfte immens sein, versichert uns die Verlautbarung. Und jetzt natürlich noch die Preise. Sie klettern nämlich weiter. Vielen Firmen bleibe keine andere Wahl, als die höheren Kosten auf die Produktpreise umzulegen.
All das wäre möglich, trotzdem muss es nicht dazu kommen. Warum können wir uns nicht auch an gute Nachrichten gewöhnen, oder vielleicht sogar daran, dass, wenn keine nennenswerten Nachrichten vorliegen, auch keine herbei geredet werden sollten!
( Richard Wagner)
Quelle: http://www.achgut.de
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