Regisseurinnen und Schauspielerinnen zugleich

(v.l.n.r) Ioana Iacob und Olga Török proben derzeit für das neue Theaterstück „Die Mountainbiker“, das Ende Januar Premiere feiern wird.
Gespräch mit den DSTT-Künstlerinnen Ioana Iacob und Olga Török
Mal Regisseur, Mal Schauspielerin. Zwei Monate gingen Olga Török (25) und Ioana Iacob (30) fast täglich durch dieses Wechselbad von Gefühlen und Perspektiven – nur um für ein neues Stück am Deutschen Staatstheater Temeswar (DSTT) zu proben. Sehr aufwändig – eine so lange Zeit „kann man sich normalerweise nicht leisten“, wie die beiden zu sagen pflegen. Über das neue Theaterstück, das am 11. Januar  Premiere feierte, den Schauspielberuf, und ihre Entscheidung, diesem Beruf nachzugehen, führte die BZ-Redakteurin Ana Saliste ein Gespräch mit den beiden Schauspielerinnen.
 Sie haben das gesamte Konzept für das Theaterstück „Die Zofen“ selbst entworfen und mussten dabei sowohl Regisseurin als auch Schauspielerin sein. Wie schwer ist es, sich zwischen den beiden Rollen zu teilen?
Ioana Iacob: Es war schon schwierig, weil das Auge von Außen immer wieder gefehlt hatte. Bei den normalen Proben ist es klar, dass die Schauspieler improvisieren können, aber in unserem Fall gab es keinen Regisseur, der das Ganze betrachten und beurteilen kann. Wenn ein Regisseur etwas organisieren will, dann muss er auch eine bestimmte Autorität haben, damit die Leute dies auch umsetzen. Wir standen am Anfang einfach da und fragten uns, wie wir rein gehen sollen und so.
Olga Török: Wir haben es dann mit der Kamera versucht. Wir haben uns mehrere Male gefilmt und uns die Szenen gemeinsam angesehen. Ich fand es aber richtig schwer. Einmal waren wir die Regisseurinnen, die sich um die Einplanung der Proben kümmern mussten – eine Minute später mussten wir dann wieder direkt in die Rolle schlüpfen. Gleichzeitig mussten wir noch mit der Technik arbeiten.
 Wie sind Sie dazu gekommen, dieses Theaterstück zu realisieren?
Ioana Iacob: Wir kamen im vergangenen Jahr, Anfang September, vom Theaterworkshop in Wolfsberg voller Energie zurück. Da hatten wir das Gefühl, wir müssen diese Energie in ein Projekt investieren.
Olga Török: Wir haben einige Arbeitstechniken, die wir beim Workshop erlernt haben, auch bei den Proben verwendet. Es handelt sich um die Technik der Ikonographie, d.h. Wörter durch Zeichen zu wiedergeben. Deswegen ist das ganze Stück auch ein bisschen anders. Es hat realistische Züge, aber die Kostüme sind expressionistisch.
 Inwiefern kann man das Publikum während eines Stücks wahrnehmen?
Ioana Iacob: Es gibt immer einen Energiewechsel. Das muss sein. Es ist dieses fremde Auge, das dir zusieht und etwas in dir verändert. Das Publikum ist wie ein Partner. Das finde ich wirklich schön und ich glaube, das ist das, was Theater vom Film unterscheidet. Nie ist ein Saal wie der andere. Jede Vorstellung ist anders.
Olga Török: Wenn wir auf Tournee fahren, ist der Unterschied noch deutlicher. Auf der Temeswarer Bühne fühlen wir uns irgendwie zu Hause. In anderen Städten aber vermittelt das Publikum eine ganz andere Energie. Manche sind damit zufrieden, manche bilden eher ein Filmpublikum und wissen nicht so genau, wie sie das Theater annehmen sollen. All das kann man von der Bühne spüren.
 Wie haben Sie sich entschieden, Schauspielerin zu werden?
Ioana Iacob: Ich wollte schon als Kind diesem Beruf nachgehen, aber ich habe es vorerst einfach sausen lassen. Ich dachte, ich wäre nicht dafür geeignet, obwohl ich es nie versucht hatte. Ich wollte damals Medizin studieren. In der elften Klasse habe ich aber bei einem Theaterworkshop mit Christian Bohrmann mitgemacht. Gleich am nächsten Tag wusste ich schon, dass ich weiter machen will. Es war ziemlich heftig und schnell, ich habe meine Entscheidung aber nie bereut.
Olga Török: Ich war bereits Studentin im ersten Jahrgang an der Abteilung Europäische Studien in Klausenburg. Da war ich auch in einer Studententheatergruppe, in der ich vieles in dieser Hinsicht erlebt habe. Da habe ich mich entschieden, Theater zu studieren.
Warum deutsches und nicht rumänisches Theater?
Ioana Iacob: Bei mir war es so: ich fand die deutsche Theaterabteilung besser. Die rumänische Abteilung sagte mir damals nichts. Für mich ist es aber egal, in welcher Sprache ich spiele. Ich habe auch auf Rumänisch gespielt und manchmal finde ich, ich sollte das öfter machen, weil es ja meine Muttersprache ist.
Olga Török: Ich fühle mich auf der Bühne in der rumänischen Sprache nicht so zu Hause, wie in der deutschen Sprache. Ich weiß nicht warum. Ich finde es auch deshalb merkwürdig, da meine Familie auch nicht deutscher Abstammung ist.
 Wie hat Ihre Familie auf die Entscheidung, Theater zu studieren, reagiert?
Ioana Iacob: Bei mir war es ziemlich abrupt. Meine Mutter fragte immer wieder: Was wirst du essen? Woher weißt du, ob du überhaupt begabt bist? usw. Sie hat es aber schließlich akzeptiert.
Olga Török: Meinem Vater fiel es etwas schwer, das Ganze zu akzeptieren. Er wollte, dass ich parallel auch die Fakultät für Europäische Studien besuche. Das konnte ich aber nicht. Meine Mutter geht aber „cool“ damit um.
 Welches Opfer muss man in diesem Beruf aufbringen?
Ioana Iacob: Dass man sich auch persönlich zeigen muss. Du greifst auf deine persönlichen Erfahrungen zurück und stellst sie bloß.
Olga Török: Deine Freizeit. Du bist die ganze Zeit mit dem Gedanken beim Theaterstück, im Theaterstück, für das Theaterstück da. Und manchmal muss man auch persönliche Beziehungen opfern, leider.
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