Aus rein persönlicher Genugtuung

Das Kaninchenzüchen – ein kuscheliges Hobby.

Der 23-jährige Züchter Slobodan Stoicovici ist stolz auf seinen Champion.
 
Petru Caprar züchtet Blaue Wiener-Kaninchen.
Ion Marincu ist Kaninchenzüchter seit über 30 Jahren.
Kaninchenzüchter erhalten in Rumänien keine Zuschüsse vom Staat
 Deutscher oder Weißer Riese, Roter oder Weißer Neuseeländer, Deutscher Widder oder Groß-Chinchilla: Die Zucht von Rassekaninchen hat im Banat eine langjährige Tradition. Gezüchtet werden jedoch nur ausländische Kaninchenrassen, denn einheimische gibt es nicht. Anders als im Ausland, wo der Staat den Züchtern mit Zuschüssen entgegen kommt, müssen die rumänischen Kaninchenhalter allein zurechtkommen. Und das Hobby geht so richtig ins Geld. Ein Bericht von Ana Saliste, Andreea Oance und Raluca Nelepcu.
Das weiße Kaninchen hat es sich im Käfig gemütlich gemacht. Mit eingezogenem Kopf, angelegten Ohren und halb geöffneten Augen döst es im Stroh vor sich hin. Dass es gerade an der 103. Kaninchenausstellung in Temeswar/Timi{oara teilnimmt und es die Höchstwertung „Exzellent“ eingeräumt hat, scheint dem Rammler der Rasse „Weißer Riese“ wirklich egal zu sein. Richtig „kuschelig“ sieht das Langohr aus – dies aber nur, wenn man es mit den Augen eines Laien betrachtet. Züchter legen ja nicht besonders großen Wert darauf, so Ion Marincu, Vorsitzender des Temescher Vereins der Kaninchen- und Hühnerzüchter. „Dadurch kann man den Schiedsrichtern kaum mehr Punkte entlocken“, sagt er lächelnd. Sieben Kilo Mindestgewicht sollte ein Rammler dieser größten Kaninchenrasse auf die Waage bringen. Dazu gehören entsprechend große Ohren: Diese dürfen nicht unter 18 Zentimeter lang sein. „Schließlich kommt es vor allem auch auf die Körperproportionen an“, sagt der Tierzüchter, der seit vier Jahren den Verein leitet. Als eine der schönsten Kaninchenrassen erwähnt er den „Castor Rex“, der sich durch sein kurzes, dichtes, braunes Fell von den anderen Kaninchenrassen unterscheidet. „Meist werden große oder mittelgroße Rassen gezüchtet. Die haben das schönste Fell“, so Ion Marincu, der bereits seit 30 Jahren seinem Hobby nachgeht.
Temeswarer Tierzüchterverein wurde 103
Insgesamt 150 Kaninchen und 70 Hühner verschiedener Rassen waren vergangene Woche innerhalb einer Kleintierausstellung am Josephstädter Markt in Temeswar/Timisoara zu sehen. Rund 40 Kaninchen- und Hühnerzüchter aus den Verwaltungskreisen Temesch/Timis, Arad und Bihar/Bihor stellten ihre prächtigsten Exemplare zur Schau. Die Preisrichter begutachteten u.a. Statur, Fell und Proportionen der Tiere. Im Anschluss wurden die Kreismeister gekürt.  Mit der Ausstellung feierte der Temescher Verein sein 103. Bestehensjahr. Rund 50 Mitglieder sind es, die monatlich beim Vereinssitz in der Remusstraße Nr. 12 zusammenkommen. Die Anzahl sei seit dem vergangenen Jahr leicht gestiegen, so Marincu. Um aber auszustellen, muss man zumindest einige Jahre Erfahrung haben. „Es ist ein Beruf wie jeder andere. Man braucht etwa zwei-drei Jahre, bis man sich richtig auskennt“, erläutert er. Vor 1989 zählte der Verein über 150 Mitglieder. „Damals bekamen wir das Futter vom Landwirtschaftsdirektion. Jetzt gibt es keine staatlichen Subventionen mehr“, erläutert Marincu. Der Tierzüchter ist von Beruf Ingenieur, hat aber bereits als Jugendlicher angefangen, Kaninchen zu züchten. Richtig profitabel sei das Hobby in Rumänien aber nie gewesen. „Die Rumänen essen nicht so viel Kaninchenfleisch. Richtig profitabel ist das Geschäft nur, wenn man eine kleine Farm besitzt und das Fleisch exportiert“, meint Marincu. „Das Kanichenzüchten in Rumänien ist längst nicht so entwickelt wie es in anderen Ländern der Fall ist. In Deutschland, Belgien oder Frankreich zählt ein solcher Verein Tausende Mitglieder“, so Ion Marincu, der derzeit nur noch 20 Kaninchen in der Temescher Gemeinde Schag/Sag züchtet.
 Anfängerglück
Vor einem halben Jahr hat er sein Hobby zu einer Leidenschaft gemacht, nun wurde sein Exponat sogar zum Champion erklärt. Petre Ursuletu züchtet erst seit April 2010 etwa 25 Kaninchen. Arten wie der Weiße Neuseeländer,  das Schwarze Widderkaninchen oder der Graue Deutsche Riese pflegt der Temeswarer in seinem Elternhaus in Großjetscha/Iecea Mare. Doch der Promi unter seinen Exemplaren ist der Weiße Neuseeländer, der vor Kurzem bei der Ausstellung des Vereins der Kleintierzüchter in Temeswar ausgezeichnet wurde.
„Dieses Hobby benötigt sehr viel Zeit, aber es ist jede Sekunde wert“, sagt der Züchter. Dass er bereits bei seiner ersten Ausstellung ausgezeichnet wird, das hat er sich nicht vorstellen können. „Es war vielleicht Anfängerglück, doch das ermuntert mich umso mehr, weiter zu machen“, sagt Ursuletu. Wenn man bedenkt, dass ein Paar Thüringer Widderkanichen etwa 400 Lei kostet und andere Exemplare sogar 600 Lei das Paar kostet, dann würde man sagen, Petre Ursule]u ist mit seinen 25 Kaninchen ein reicher Mann. Doch verkaufen möchte Ursule]u seine Tiere vorläufig noch nicht.
 Seit mehr als zehn Jahren dabei
Slobodan Stoicovici ist 23 Jahre alt. Kaninchenzüchter ist er aber schon seit zehn Jahren und eines der ältesten Mitglieder des Vereins der Kaninchen- und Hühnerzüchter. Die lustigen Kaninchen mit ihren seitlich am Kopf herabhängenden Ohren züchtet er voller Liebe schon seit seiner Kindheit – dafür sorgte seine Oma. Als er in der ersten Klasse war, schenkte sie ihm zu Ostern ein Kaninchen. „So hat alles begonnen, denn es hat sehr viel Spaß gemacht, mich um das langohrige Tierchen zu kümmern. Mit der Zeit habe ich mich immer mehr für das Widderkaninchen interessiert. Nun züchte ich insgesamt 30 Exemplare“, sagt Slobodan Stoicovici. Der junge Züchter ist Student an der Hochschule für Tiermedizin innerhalb der Universität für Landwirtschaftswissenschaften und Veterinärmedizin in Temeswar. „Wenn ich mehr Platz hätte, würde ich sogar mehr Kaninchen züchten“, sagt er. Doch der Bauernhof in Diniasch/Dinias erlaubt es ihm nicht. Für eine Zucht á lá carte braucht man viel Platz, denn jedes Tier braucht seinen eigenen Käfig mit Holzboden, der mit Stroh belegt ist, das Tier darf nicht im Luftzug stehen und muss vor Sonne und Niederschlägen geschützt werden. Auch die Nahrung muss sorgfältig ausgewählt werden: Das Futter besteht aus einer Mischung von Hafer, Gerste, Sonnenblumenkerne, Mais und sonstiges Getreide, dabei auch noch reine frische Luzerne und unbegrenzt frisches Wasser.
 Ausstellungen im Ausland
Sein dunkelgraues Fell mit blauen Reflexen ist ein regelrechter Blickfang: Das Blaue Wiener-Kaninchen ist ein Champion und gehört dem aus Großsanktnikolaus/Sânnicolau Mare stammenden Petru Caprar (53). Der Autoklempner züchtet Rassenkaninchen und –hühner und das schon seit einigen Jahren.
Petru Caprar ist seit mehr als sieben Jahren Mitglied des Vereins der Kaninchen- und Hühnerzüchter aus Temeswar und leitet seit zwei Jahren einen lokalen Verein in Großsanktnikolaus. Schon als Kind hatte er Kaninchen, doch keine besonderen Exemplare. Erst im Alter von 40 verschaffte er sich die ersten Rassekaninchen vom Tierzüchter Erwin Vancea, dem Vizeleiter des Temeswarer Vereins. Es waren acht Rassen, die C²prar zu züchten begann: Weißer und Roter Neuseeländer, Blauer Wiener, Deutscher Riese, Deutscher Riesenscheke, Castor Rex, Weißer und Schwarzer Holländer. Zusammen mit Freunden besuchte er verschiedene Ausstellungen in Rumänien und im Ausland. Er reiste nach Serbien, Ungarn, Österreich und in die Slowakei, dort sah er sich die Tiere an und informierte sich über die Kaninchenzucht. Das ursprüngliche Hobby entwickelte sich allmählich zur Leidenschaft.
„Es ist am Anfang gar nicht leicht, weil dir die Grundkenntnisse über die Zucht fehlen. Mit der Zeit aber lernst du, wie die Tiere zu pflegen sind“, sagt Petru C²prar. Kaninchen sind empfindliche Tiere, die äußerst sorgfältig gepflegt werden müssen. Impfungen gegen verschiedene Krankheiten sind ein Muss, meinen die Züchter. Die Zucht sei auch recht kostspielig, zumal der Staat keine Subventionen dafür bereitstellt. Petru Caprar besitzt zur Zeit mehr als hundert Kaninchen. Die Tiere verschenkt oder verkauft er, manche züchtet er für den Fleischverzehr und andere speziell für Ausstellungen im In- und Ausland. „Wenn ich mich nach einem anstrengenden Arbeitstag mit den Tieren beschäftige, ist das eine gute Entspannungsmöglichkeit“, sagt er.
Außer der Kaninchenzucht betreibt Petru Caprar auch die Hühnerzucht. Auch in diesem Fall sind es vor allem Tiere, die er nicht ihres Fleisches wegen, sondern für ihre Schönheit züchtet. Die Rassen Zwerg-Wiandotte und Cochinchina mag er ganz besonders. Auch für die Hühnerzucht hat er bisher keine Zuschüsse erhalten, und das, obwohl theoretisch in seinem Fall solche fällig wären. Die Cochinchina-Hühner, die er züchtet, ist eine vom Aussterben bedrohte Hühnerrasse.
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Eine Antwort zu Aus rein persönlicher Genugtuung

  1. abcd schreibt:

    Verband Vizepräsident Erwin Vancea ist ein großer Manipulato. Demonstration, dass die Sünde kommt auch schattige Zeichen

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