Adi de Gratis

Von Mitte Januar bis Ende März kann man seine Steuern mit zehnprozentigem Nachlass entrichten. Wenn dies der Kommunalrat im Rahmen des gesetzlich Möglichen so beschlossen hat. Viele Bürger – allen voran die Rentner, die ihr Geld und ihre Zeit genauer planen müssen (und können) – nutzen dieses Entgegenkommen ihrer Kommunalverwaltung. Zwar nimmt man sie dann gern auf die Schippe – „Diese Rentner, die das ihnen in der Mangelwirtschaft des Kommunismus anerzogene Schlangestehen üben!“ – aber den Kommunen fließt Überbrückungsgeld in die Kassen, bevor der ewigklamme Staat etwas überweist.
Dass die braven Steuerzahler mit Mitleid und Überheblichkeit betrachtet werden, ja auch für dumm angesehen werden, das ist hierzulande nichts Neues. Steuerhinterziehung ist ein Kavaliersdelikt wie das Sichschmierenlassen und nur wer es in kleinem Umfang betreibt, der riskiert etwas dabei. Wer dem Staat viel vom ihm per Gesetz Zustehenden vorenthält, ist ein ehrenhafter Staats-Bürger.
Jüngst haben Bukarester Zeitungen sich ein wenig kundig gemacht in den Steuererklärungen des Adrian Simionescu, genannt Adrian Copilul Minune („das Wunderkind“), Adi de Vito oder neuerdings Adrian Minune („das Wunder“), einer der erfolgreichsten – also beliebtesten – Manele-Sänger Rumäniens und Ratsherr in der Gemeinde Stefanesti im Speckgütel von Bukarest, dem Verwaltungskreis Ilfov. Der kleinwüchsige Macho, geboren am 24. September 1974, gibt an, 2010 ganze 940 Lei verdient zu haben. Landesweit weiß man aber, dass er für zwei Stunden-Auftritte zwischen 2000 und 5000 Euro fordert. Das geht dabei am Fiskus vorbei. Der selbsternannte „Kaiser der Manele“ – Abgrenzung von Nicolae Guta (eine Hochzeitsnacht: 10.000 Euro[1]), dem „König der Manele“ – lügt bei jeder Gelegenheit unverfroren, er singe gratis auf Hochzeiten und Taufen – die höchsten Einnahmequellen dieser Art Musiker. Er besitzt, laut seiner Vermögenserklärung als Ratsherr, zwei Mercedes-Limousinen, einen BMW und einen Porsche, ein Appartement in Bukarest, vier Villen und Häuser in Stefanesti, drei Grundstücke außerhalb des bebaubaren Areals und acht bebaubare Grundstücke. Steuerzahlen für Manelisteneinkommen – Fehlanzeige!
Jüngst war die Skandalpresse voll mit dem Starlet Daniela Crudu und deren angeblichen Betrügereien. Das Opfer: Leo de la Strehaia, ein Manelesänger. Die Summe, um die es letztendlich geht: weit über 100.000 Euro, die der Leo bei der Daniela hinterlegt haben soll und die angeblich weg sind. Leo: „Dann schreibe ich die eben als Verlust ab!“ Wo?
Steuer- und Vermögenserklärungen muss der Leo ja keine abgeben, weil er keine öffentlichen Ämter besetzt. Und nachweisen, woher sein Vermögen kommt, muss er auch nicht, wenn die Parlamentarier beschlossen haben, dass dies erst ab dem 1. Januar 2011 Pflicht sein könnte – aufgrund der Vermögenserklärungen von 2012.
So nutzen Selbstschutzmaßnahmen der Erwählten den Klein- und Groß-Steuerhinterziehern dieses Landes. Während die Polittiker lauthals erklären: „Jeder Leu Einnahmen muss besteuert werden!“
Werner Kremm

[1] Top der Honorare der Manelisten Rumäniens laut „Evenimentul Zilei“: Sorinel Copilul de Aur – 7500 Euro/3 Stunden, Liviu Pustiu – 6000 Euro/Nacht, Jean de la Craiova – 5000 Euro/Nacht, Florin Salam – 5000 Euro/Stunde, Adi de la Vâlcea 3000-4000 Euro/2 Stunden, Adrian Minune – 4000 Euro/2 Stunden.
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