Temeswarer Blues – eine Autobiographie

Der Musiker Béla Kamocsa schrieb sein Leben auf
Fast ein Jahr ist vergangen, seit Béla Kamocsa (Kamo) plötzlich diese Welt verlassen hat. Als einer der größten Temeswarer Musiker hat er der Stadt Temeswar/Timisoara ein großes kulturelles Erbe hinterlassen: Lieder und Alben, die langlebigste Blues-Jazz-Band Rumäniens, andere bedeutende Bands, bei denen er Mitbegründer war, und Musikfestivals. Zu dieser Hinterlassenschaft kommt nun seine Autobiographie hinzu.
Erinnerungen und Erfahrungen hat der Temeswarer Musiker zusammen mit Tinu Pârvulescu kurz vor seinem Tod aufgeschrieben. Der Titel des Buches „Temeswarer Blues – eine Autobiographie“ weist auf ein allgemeines Buch eines Temeswarers hin. Der Aufstieg der Band Phoenix und die Pop-Kultur der 60er Jahre, die Auswanderung in den 70er und 80er Jahre, das Wendejahr 1989 und die kulturelle Entwicklung – all das ist in Kamos Buch enthalten. Alles ist so geschrieben, als würde Kamo selbst sein Leben mündlich erzählen. „Im Laufe meines Lebens bin ich dem Tod vier Mal begegnet“, sagt Kamo zum Schluss seines Buchs. Unter dem Titel „Epilog“ erzählt er im letzten Kapitel der Autobiographie, dass er sich als kleines Kind mit einer angeblich unheilbaren Krankheit ansteckte. Alle dachten, er hätte nicht mehr viel Zeit zum Leben. Die zweite Begegnung mit dem Tod hatte er in der Gramofon-Zeit Ende der 70er. Während einer Bandprobe erlitt er, als er seine Bass-Gitarre berührte, einen Stromschlag wegen einer falsch montierten Steckdose. Der Musiker Liviu Butoi rettete ihn damals. Später, nach einer Herzoperation, musste er fünf Tage im Koma liegen. „Die vierte Begegnung ist nicht eine unerwartete, sondern eine, die dir Zeit zum Nachdenken lässt, um zu verstehen, wieso du gelebt hast. Diese Begegnung rückt jeden Tag näher und ich versuche immer wieder, etwas Neues daraus zu lernen. Ich lerne, meine Ängste zu überwinden, meine Grenzen zu verstehen, aber auch die Unmöglichkeit, mich ihr zu entziehen. Schade, dass seine Annäherung so schmerzhaft ist. Der Schmerz lehrt dich gar nichts“, schließt Béla Kamocsa.
Kamo war der Mitbegründer der Rockband Phoenix, später dann wurde er Mitglied der Gruppe Gramofon und in den 80ern Gründer der Bega Blues Band. 2008 wurde Béla Kamocsa für seinen Beitrag zur Entwicklung des Kulturlebens zum Ehrenbürger der Stadt Temeswar/Timisoara ernannt. 1990 wurde die Blues-Jazz-Gala ins Leben gerufen, bei der Gründung des Jazzfestes in Wolfsberg/Garâna und anderer zwei Jazzfestivals in Hatzfeld/Jimbolia und Lugosch/Lugoj wirkte Béla Kamocsa ebenfalls mit. Auch die Kulturveranstaltung „Temeswar-Kleinwien“ trägt seinen Fingerabdruck.
Seine Fingerabdrücke tragen aber auch viele andere Dinge, die er der Stadt Temeswar als Erbe hinterlassen hat: Alben wie „Vremuri“ und „Nebunul cu ochii închisi“, die Musik des Films „Canarul si viscolul“ aus der Phoenix-Ära, die Alben „Spirale“ – zusammen mit dem Gramofon-Trio aufgenommen – „Blues de Timisoara“, „Te sponsorozez“, „Vechituri noi“.
Andreea Oance
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Eine Antwort zu Temeswarer Blues – eine Autobiographie

  1. Gerd Ballas schreibt:

    Kamo war nicht nur ein exzellenter Musiker, er war auch als Mensch etwas ganz Besonderes. Er hat sich öfters hier bei uns in Weidenthal (Brebu Nou) aufgehalten.
    Es ist ein großer Verlust.

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