Unsere bitterbösen Machtspiele

Szene aus „Die Zofen“ von Jean Genet
Zu der DSTT- Vorpremiere  „Die Zofen“ von Jean Genet
 Ein biederer, bürgerlicher Schauplatz und ein böses, mörderisches Spiel: Das bietet die neueste DSTT-Inszenierung  „Die Zofen“ von Jean Genet. Einen Vorgeschmack zu dieser provozierenden Produktion- Premiere ist im  Januar 2011-  gab nun die Vorpremiere (simultan ins Rumänische übersetzt) vom letzten Wochenende. Die künstlerische Leitung der Studio- Inszenierung, im Rahmen des Zyklus „Erste Reihe“ zur Förderung des Schauspielernachwuchses, haben Ioana Iacob und Olga Török inne, die gleichzeitig auch die die beiden Hauptrollen der Zofen spielen.
Der Autor (1910- 1986) war zeitlebens ein Außenseiter, Landstreicher und Dieb, Fremdenlegionär, Desserteur, Dutzende Male im Gefängnis. Seine lebenslängliche Haftstrafe wurde durch Fürsprache von Jean Cocteau und Jean Paul Sartre begnadigt. Sein erstes Werk entstand im Knast, es war das Gedicht „Der zum Tode Verurteilte“. Als Anarchist hatte er Kontakte zu der RAF und den „Black Panthers“.
Das Stück „Die Zofen“, nach einem realen Mord der Geschwister Papin von Le Mans 1933, der damals in Frankreich Aufsehen erregte,  erfuhr 1947 seine Uraufführung in Paris. Die beiden Dienstmädchen Claire und Solange lieben und hassen ihre Herrin, die sie demütigt. Sobald die Dienstmädchen allein sind , tauschen sie die Rollen und spielen das tägliche böse Machtspiel „Madame und Zofe“. Das Spiel eskaliert, wird ernst, der Plan zur Ermordung der Herrin mißlingt. Der Autor selbst wollte die weiblichen Hauptrollen eigentlich von Männern gespielt haben.  
„Die Zofen sind Ungeheuer wie wir selber, wenn wir dieses oder jenes träumen“, sagte Genet zu seinen Gestalten.
Olga Török und Ioana Iacob spielen ihre Fassung von Genets „Zofen“: bitterböse, aber gleichzeitig traurig und gefühlbetont. Für das Bühnenbild und die Kostüme  zeichnete Ioana Popescu, für die Musik Alex Halka. Alles in allem ein provozierender, energiegeladener Theaterabend , der jedoch auch seine poetischen, gefühlvollen Augenblicke hat. (bw)
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