„Colterm-Misere“ – jede Menge Beschuldigte

Aurel Matei, Direktor von Colterm, nennt die Schuldigen an der jetzigen Lage: so ziemlich alle
Verträge werden unterschrieben, was sie jedoch beinhalten ist unklar
Temeswar – In der Theorie: man unterschreibt einen Vertrag. Am besten wäre es, ihn vor der Unterschrift auch durchzulesen. Auf jeden Fall, was Kosten und Verpflichtungen betrifft, hat man eine Ahnung, was auf einen dann zukommt. Anders bei Colterm, den Temeswarer Heizkraftwerken. „Zurzeit kann ich nicht sagen, wie der Vertrag mit E.on aussieht, ob wir das Gas billiger bekommen als von ÖMV Petrom Gas oder nicht“, sagt ganz unschuldig Aurel Matei, der Leiter des Temeswarer Heizkraftwerks Colterm.
Bislang wurde ein Vertrag mit der  Laufzeit von einem Monat mit E.on Gas unterschrieben. Dies, nachdem in der vergangegen Zeit zahlreiche Probleme mit dem Zulieferer ÖMV Petrom Gas aufgetaucht sind. Diese spitzten sich zu und letztendlich blieben die Temeswarer für einen Tag ohne Fernwärme: ÖMV Petrom Gas stoppte die Gaslieferungen. Der Grund waren die Schulden, die Colterm an den Zulieferer angehäuft hat.
„Wir haben jetzt nur noch ungefähr 20 Millionen Lei Schulden. Einen Großteil konnten wir seit diesem Sommer begleichen“, so Matei. „Aus diesem Grund haben wir auf Kulanz seitens des ÖMV gehofft“, fügte Matei hinzu.
Im Vergleich zu den Schulden, die Colterm an den Gaszulieferer im Monat Juni hatte, scheinen sie jetzt wirklich eher gering zu sein. Im Sommer hatten sich satte 73 Millionen Lei angesammelt, die auf die Konten von ÖMV hätten fließen müssen. Jetzt sind es,im Vergleich dazu „nur noch“ ein „Bruchteil“, nämlich 20 Millionen Lei, die abgezahlt werden müssen. 50 Millionen Lei konnten durch einen Kredit beglichen werden, der von Bancpost aufgenommen wurde. „Wir haben große Bemühungen unternommen, um die Schulden zu begleichen. Wir haben gehofft, dass ÖMV die Sachlage versteht und unsere Bemühungen auch zu schätzen weiß. Statt dessen hatten wir die Überraschung, dass uns der Gas  gekappt wurde“ klagte Matei. Anm. d. Red.: Das war vor zwei Wochen.
In Sachen Gaszulieferer ist Matei auch wegen einem anderen Problem unzufrieden. „Eine Sache kann ich überhaupt nicht verstehen. Alle Entscheidungen werden von der ÖMV-Leitung in Wien getroffen. So eine Superzentralisierung kann ich nicht verstehen“, klagt Matei. „E.on hat zumindest eine eigene Leitung in Rumänien“, fügt er hinzu. Allem Anschein nach scheint Matei zu hoffen, dass, wenn man in Rumänien sesshaft ist, man  eher versteht, dass man seine Schulden nicht begleicht.
Schuld an der jetzigen Lage des Fernheizunternehmens sind viele, so jedenfalls Matei: Das Bürgermeisteramt, die Regierung, private Haushalte, Handelsgesellschaften, Krankenhäuser, Schulen, usw. Viele schulden Colterm viel Geld. „Wenn wir das Geld, das uns zusteht, auch einkassieren würden, hätten wir keine Probleme“, sagte vor einigen Wochen der Direktor des Heizkraftwerks.
Auf die Frage, ob es vielleicht in nächster Zukunft wieder zu Zwischenfälle kommen könnte, hinsichtlich der Stoppung der Gaszulieferungen antwortete Matei: „Es gibt die Theorie des Risikos in der Energieversorgung. Es kann immer zu derartigen Zwischenfälle kommen“, so Matei. Anders gesagt: Die Temeswarer sollten immer eine warme Decke bereit halten, die Wärmeversorgung könnte schon mal wieder gestoppt werden.
„Wir sind leider zu klein, um uns mit den Gaszulieferer anzulegen! Es herrschen große Interessen. Wir müssen zum Beispiel fast den gleichen Preis für das Kubikmeter zahlen wie ein Ottonormalverbraucher. Dies, obwohl wir zu der Großverbrauchern zählen“, sagte Matei. „Es ist für mich unverständlich, en gros zu kaufen, aber den Normalpreis zu bezahlen“, fügte es hinzu. Gleichzeitig gab er zu, dass es eigentlich einige Discounts gibt. Das Problem: Um diese zu bekommen, sollte man keine Schulden haben. Und Colterm ist bereits seit Langem nicht schuldenfrei. 
„In Temeswar haben wir einen der niedrigsten Produktionspreise: 325 Lei(Gcal. Zurselben Zeit ist der Preis, den die Bevölkerung für die Gigakalorie zahlen muss, einer der höchsten im Land: 252 Lei. Wieso der Kommunalrat so eine drastische Erhöhung (Anm. d. Red.: Von 167 Lei auf 252 Lei die Gigakalorie) beschlossen hat, kann ich nicht nachvollziehen“, so Matei, der es eigentlich wissen muss. (Olivian Ieremiciu)
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