Banater Schlusskommentar

Jetzt, da ich das Banat aus gutem Grund nur noch von außen zu sehen bekomme, sozusagen von der Weltstadt aus, als läge es weit draußen vor den Toren des Planeten, jetzt hat es sich unauffällig in den Kopf zurückgezogen, und ist dort schon wieder in Gänze zu betrachten. Ich könnte meinen Kopf zum Museum erklären, statt dessen stelle ich ihm ein paar arglose Fragen. Was ist das Banat, frage ich mich.
Ist es „Der Große Schwabenzug“ von Adam Müller-Guttenbrunn, dem Wiener Theaterdirektor? Das Triptychon des Stefan Jäger, des Trachtenmalers aus Hatzfeld? Die Ulmer Schachtel, das legendäre Donauschiff? Ist es Franz Griselinis Versuch einer politischen und natürlichen Geschichte von 1780?
Ist es das Rundgiebelhaus mit dem Gottesauge und dem Lebensbaum? Der Küchenspruch über dem Sparherd: Ehret die Frauen, sie flechten und weben himmlische Rosen ins irdische Leben? Unser Küchenschiller?
Oder das Weißbrot? Das Weißbrot im Kommunismus? Die letzte Vogelmilch? Die Erinnerung an eine Wallfahrt nach Maria Radna? Die letzte lateinische Messe? Das Priesterlatein? Die Distelbilder von Franz Ferch? Die Disteln vor der Stadt? Die Stadt Temeswar? Franz Xaver Kappus, der, der einst an Rilke schrieb? Der ewige Stock im Eisen? Der Domplatz? Der Brunnen am Domplatz? Die Bänke am Domplatz? Die Denkmäler, verrückt und verschoben? Die geköpften Alleen? Die baumlosen Friedhöfe? Der Beton auf den Gräbern? Das Gewicht des Betons?
Ein Augustsonntag an der Marosch? Ein windiger Tag am Damm? Karl May vom Dachboden? Ein Fahrrad, das durch die Luft fliegt, und keiner fragt, wieso? Die schreienden Gänse auf der Dorfstraße? Der Weizen und das Stroh? Die Weizenfelder? Der gelbe Mais? Die Eisenbahn? Die Schienen? Die Draisine, die auf den Schienen in den Himmel fährt? Der Korso am Feierabend? Die Straßenlaternen am Korso? Die neuesten Nachrichten?
Die Ziegelei Bohn aus Hatzfeld? Der Bahnhof von Herkulesbad? Die Bäder von Herkulesbad? Der Geburtsort von Lenau? Der Himmel über dem Bauernhaus? Der Lehm? Der Leim? Der Zimmermannsstift?
Das Hochamt des Bischofs Pacha? Die kleine Konditorei? Die Doboschtorte? Der Großfeldhandball? Hans Moser? Der katholische Wandkalender? Ärger wie die Hund? Und Angst? Wegen Russland? Wegen des Baragan? Blechmusik? Ein entwurzelter Baum? Kapellmeister Huber?
Die bunten Trachten? Die dunklen Trachten? Das Glück? Das Unglück? Das Glück im Unglück? Und immer noch Fragen? Und Antworten? Und Fragende? Und Antwortgeber? Und Schluss? Und Punkt? 
Ich beende an dieser Stelle meine Kommentarreihe, mit Dank an die Leser und an die Redaktion. Wer weiterhin Artikel von mir lesen will, kann dies im Netz tun, auf: www.achgut.com.
Richard Wagner
 
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Eine Antwort zu Banater Schlusskommentar

  1. Eisenpeppi schreibt:

    Das alles sind Bilder, Erinnerungen,…
    Das alles ist nicht mehr. Denn als Vetter Michl und Ves Kathi ihre Heimat verließen, haben sie „das Banat“ in ihren leeren Händen mitgenommen.
    Das Land ist noch da – die Seele ging verloren.

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