Vielfältig und vielsprachig

Die Wohn- und Wehrtürme Tricule am Eingang zu den Donaukesseln, im 13.-14. Jahrhundert erbaut, sind durch Wellenerosion des Donaustausees akut einsturzgefährdet
Zum neuesten Forschungsband „Banatica“ des Museums des Banater Montangebiets
Von Werner Kremm
 
Das Museum des Banater Montangebiets/Muzeul Banatului Montan hat in der Zeitspanne 1990-2009 insgesamt 51 Bücher veröffentlicht. 16 davon erscheinen in der Übersicht als „Periodika“ und sind die „Banatica“-Bände Nr.12-19 (davon fünf Doppelbände und vier fortlaufend nummerierte Publikationen zur „Arheologia medievala“), die restlichen sind wissenschaftliche Bücher, etwa die zwei Bände über das Sozial-Institut Banat-Crisana (Dr. Carmen Albert), die zehn Bücher über das mittelaterliche Banat (u.a. von A.Andrea, L.Boldea, P.Calin, V-Leu, V.Lupulovici, A.Rusu und D.Seicu) oder Studien zu „Identität und Alterität“ (Dr. Valeriu Leu, rumänisch), „Die Ekklesiastische Geografie des mittelalterlichen Banats“ (Dr.Dumitru }eicu, in der deutschen Übersetzung von Sigrid Kuhn) oder „Les industries populaires du departement de Caras-Severin“ (Dr. Mircea Taban). Außerdem veröffentlichte das Museum des Banater Montangebiets bislang zehn Doktorarbeiten in einer eigenen Buchreihe (von Valeriu Leu, Rudolf Gräf, Dumitru Teicu, Zeno-Karl Pinter, Ligia Boldea, Adriana Radu, Adrian Ardet, Mircea Taban, Vasa Lupulovici und Eusebiu-Marcel Narai).
Dieser Tage erschien nun der Doppelband (Nr.20) der „Banatica“-Reihe. Band 20/1 enthält Studien zur Archäologie und Ausgrabungsberichte (vorrangig) des Banats, Band 20/2, Geschichte, umfasst u.a. Studien zu mittelalterlichen (rumänisch-ungarischen, zum Katholizismus konvertierten) Adelsfamilien des Banats, zur Präsenz von Banater Studenten an der Universität Wien, über „Die sächsischen Distrikte Bistritz/Bistrita und Kronstadt/Brasov und ihre rechtliche Gewalt über Rodna und Törzburg zwischen dem 15. und dem 17. Jahrhundert“ oder einen „Gescheiterten Versuch zu einer Glaubensunion im Banater Bergland 1699“. Beide Bände enthalten einen reichen Rezensionsteil (u.a. über „Die Slawonische und Banater Militärgrenze. Kriegserfahrungen und räumliche Mobilität“ von Kinga Xenia Havadi-Nagy, „Identitate si cultura. Studii privind istoria Banatului“ in der Koordination von Dr. Victor Neumann, „Vasari medievalia“ in der Koordination von Gabriela Radulescu und Corneliu Gaiu,  oder „Minor medieval art in Banat“ von Dumitru Seicu).
Im archäologischen Teil (Band 20/1) gibt es Beiträge über die archäologische Erforschung des Banats unter römischer Herrschaft (Funde römischer Landwirtschaftsgerätschaften, Forschungen in der Donauklamm), über die Jungsteinzeit (neolithische Plastik im Banat, Beile), über die Bronzezeit (frühe Bronzesicheln in der Wietenberg-Kultur – der Fund von Rothberg/Rotbav) über frühmittelalterliche Funde (Cuptoare Cornea, Donauklamm, Eisernes Tor) oder über die (leider gegenwärtig extrem einsturzgefährdeten) Wohn- und Wehrtürme von Tricule (Háromtorony, Tri Kule). Bemerkenswert der Beitrag über das „Projekt mittelalterliche Befestigungsanlagen – Europäisches Kulturgut“ und der Zwischenbericht über „Arheotim – Wissenschaftlicher Zwischenbericht im Rahmen der interdisziplinären Bildungs- und Forschungsplattform im Bereich der systematischen Archäologie“ (von Dorel Micle und Liviu Maruia).
Zu beiden Bänden muss das Bemühen um Internationalität und um vielsprachige Zugänglichkeit unterstrichen werden, grundsätzlich ein Banater Charakteristikum und eine Tradition der „Banatica“-Veröffentlichungen, seit sich der kürzlich als Direktor neuerlich bestätigte Dr. Dumitru Seicu um die Publikation mit bemerkenswerter Beharrlichkeit kümmert. Neben rumänisch werden Beiträge und/oder Zusammenfassungen in Deutsch, Französisch und Englisch veröffentlicht. Außerdem ist die Öffnung für Mitarbeiten aus dem südosteuropäischen Raum zu loben, im konkreten Fall dieser beiden Bände für den Szegeder Univ.-Prof. Dr. István Petrovics, aber auch für junge Forscher und Rezensenten aus dem arumunischen und istro-rumänischen Raum und von den Universitäten aus Klausenburg/Cluj-Napoca und Jassy/Iasi.
Der Banatica-Band Nr.20/2 beginnt mit einer Laudatio auf den Leiter der Klausenburger Universitäts-Bibliothek, den Historiker Dr.Doru Radosav, zu seinem 60. Geburtstag. Radosav, der mit einer Dissertation über den Humanismus im Banat promovierte („Cultura si umanism în Banat“), hat sich auf Kulturgeschichte, geschichtliche Politologie und mündliche Geschichte („oral history“) spezialisiert und ist einer der konsequent im Jahrbuch des „Instituts für mündliche Geschichte“ Publizierenden. Oral history versteht er programmatisch als „Geschichte der Besiegten“, als „Geschichte des Erlebten aus Sicht des Kleinen Mannes“, eine Geschichte, die man erst studieren kann, wenn die „diktatorialen Fesseln verschwunden sind“ und die „offizielle Geschichte“ keinen „Alleinanspruch“ mehr erheben kann.
Da der Hauptherausgeber und Chefredakteur der „Banatica“-Reihe, Dr. Seicu, ein Fachmann der Geschichte des Mittelalters sit, wundert es wenig, wenn in „Banatica“ 20/2 die Forschungsbeiträge zum Banater und Siebenbürgischen Mittelalter vorherrschen. Ob es um die zum Katholizismus übergetretenen rumänischen Adelsfamilien der Macskás de Rappolt (1478-1520) oder der Danfy de Duboz (14.-15. Jahrhundert) geht, um „Aspekte des CURSUS HONORUM im Banat zur Zeit des Matthias Corvinus – Vermögens- und Funktionsadel“, um „W(a)lachen im ottomanischen Reich und die Walachenpolitik des ungarischen Königreichs“ oder um „Die MILITIA PORTALIS im Fürstentum Siebenbürgen“, das Interesse für das Mittelalter, im kommunistischer Zeit wegen der Präsenz der Ungarn im „schon immer rumänischen Gebiet“ des Banats und Siebenbürgens zurückgedrängt und nicht gefördert, in der „Banatica“ der Nachwendezeit erlangt es einen gebührenden Raum. Nicht uninteressant und auch für die Geschichte der Deutschen im Banat bemerkenswert die Beiträge von Eusebiu-Marcel Narat („Aspekte der Gründung des Franzosenvereins im Banat 1945“) und Vasile Râmnean]u („Eine Episode des Kollektivierungsprozesses der Landwirtschaft im Banat und in der Crisana“).
Die beiden Bände (beide ISSN: 1222-0612) können im Muzeul Banatului Montan, 320151 Resita, B-dul Republicii Nr. 10, Fax 0355-401220, oder über office@muzeulbanatuluimontan.ro bestellt werden.
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