CNSAS-Ausstellung im AMG-Haus

Russlanddeportation: früher Tabu, nun öffentlich besprochen

„Dies ist etwas, wovon wir früher keine Ahnung hatten“, sagt Ignaz Berhard Fischer, Leiter des Vereins der Ehemaligen Russlanddeportierten aus Rumänien mit Sitz in Temeswar/Timisoara. Hiermit weist Fischer auf die Ausstellung des Nationalrates für die Aufarbeitung der Securitate-Akten (CNSAS), die seit vergangener Woche im Festsaal des Adam-Müller-Guttenbrunn-Hauses zu sehen ist.

Die Wanderausstellung war auch in Fogarasch/Fagaras und Kronstadt/Brasov zu sehen. Nun bleibt diese insgesamt zweieinhalb Wochen auch für das Temeswarer Publikum offen.

Etwa 50 Rumäniendeutsche, die 1945 in die damalige Sowjetunion deportiert wurden, kamen zur Eröffnung der Ausstellung. Zahlreiche Kopien der Akten, die zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt wurden, hängen nun an einer Seitenwand des AMG-Festsaals. „Diese Ausstellung ist Ihren Leiden vor 65 Jahren gewidmet“, sagte Elke Sabiel, Ehrenvorsitzende des Vereins der Russlanddeportierten, bei der Ausstellungseröffnung. „Das, was bis in den 90er Jahren ein Tabuthema war, soll nun allen bekannt werden“, sagte der Vereinsvorsitzende Fischer. „Wir, die wir noch am Leben sind, freuen uns sehr über diese Initiative von CNSAS“, fügte er hinzu.

Das Thema der Russlanddeportation ist immer noch sehr sensibel, zumal eine richtige Entschädigung für die, die gelitten haben, noch nicht gezahlt wurde. Teodor Stanca, Leiter des Vereins ehemaliger politischer Häftlinge im Kreis Temesch/Timis, sprach vor den Anwesenden. „Die vorherrschende weiße Haarfarbe in diesem Raum erschüttert mich, aber sie zwingt mich auch, mich respektvoll vor Ihnen zu verbeugen“, sagte Stanca. Auch der deutsche Konsul in Temeswar, Klaus Christian Olasz, beteiligte sich an der Eröffnung der Ausstellung. Er ließ gestehen, dass er sich wunderte, als das Thema zum ersten Mal von der Schriftstellerin Herta Müller bearbeitet wurde. „Ich habe mich geschämt, dass ich so wenig von dieser zeitnahen Geschichte wusste“, gestand er.

Die Hermannstädter ADZ-Redakteurin Hannelore Baier, die sich schon seit mehr als zehn Jahren mit diesem Thema befasst und Bücher dazu schrieb, vermittelte ein paar geschichtliche Informationen über die Deportation. Die CNSAS-Ausstellung stellt verschiedene Akten der ehemaligen Russlanddeportierten zur Schau. Ungefähr 60 Dokumente wurden aus insgesamt 600 ausgewählt. Ein Auswahlkriterium war die unleserliche oder kaum noch leserliche Schrift mancher alter Dokumente. Nur die leserlichen wurden gescannt und ausgestellt.

Andreea Oance

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