„Man hat mir gesagt, Temeswar ist nicht Rumänien“

Peter Papakostidis (rechts) zusammen mit Mirkus Hahn in „Kuznecov und Serpuchov ziehen in den III. Stock“

Gespräch mit dem deutschen Schauspieler Peter Papakostidis
 Vom romantischen Romeo, dem tapferen D´Artagnan bis hin zu Hitler: Schauspieler Peter Papakostidis (36) schlüpfte bereits in viele Rollen. Er verkörperte außerdem den Paul in Marius von Mayenburgs „Feuergesicht“ sowie den Estragon in „Warten auf Godot“ von Samuel Beckett, unter der Spielleitung von David Esrig.
Peter Papakostidis ist noch bis Ende Dezember Gastschauspieler am Deutschen Staatstheater Temeswar. Die Temeswarer Theaterfreunde konnten den in München geborenen Schauspieler in den DSTT-Inszenierungen „Shaking Shakespeare“, „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“, „Komödie im Dunkeln“ u.a. sehen. Vor Kurzem spielte er im Stück „Kuznecov und Serpuchov ziehen in den III. Stock“, das im Rahmen des Eurothalia-Festivals aufgeführt wurde. Über Schauspielkunst, seine Rumänienerfahrung und die Theaterszene in Rumänien und Deutschland sprach Peter Papakostidis mit BZ-Redakteurin Ana Saliste.
 
Wie sind Sie dazu gekommen, in Temeswar zu spielen?
Mein Lehrer, Prof. David Esrig, ist ja Rumäne. Er inszenierte in Deutschland das Stück „Warten auf Godot“, in dem ich den Estragon verkörperte. Wir haben das Stück auch in Hermannstadt und Bukarest aufgeführt. Ich habe somit das Land kennengelernt und fand es ganz spannend. Da dachte ich mir, es wäre ganz schön, hier zu spielen. Ich wusste, dass es in Temeswar das Deutsche Staatstheater gibt und somit habe ich mich für eine Stelle beworben.
 
Gibt es einen Unterschied zwischen dem Publikum in Rumänien und dem Publikum in Deutschland?
Na ja, der Unterschied ist schon da, weil einige Kopfhörer tragen und somit die Stimme der Schauspieler nicht hören. Dadurch hat man das Stück aus zweiter Hand. Es ist schon eine andere Erfahrung als Zuschauer, ob man jetzt live alles versteht, was der Schauspieler sagt oder ob man Kopfhörer auf hat. Insofern sind aber nicht so viele Unterschiede. Was das DSTT angeht, weiß ich nicht wirklich, wie viel deutschsprachiges Publikum ins Theater kommt, denn es ist eigentlich sehr gemischt. Bei der deutschen Aufführung von „Die kahle Sängerin“ kommen zum Beispiel sehr viele Rumänen rein.
 
Sie sind im Rahmen des „Eurothalia“-Festivals im Stück Kuznecov und Serpuchov ziehen in den III. Stock“ aufgetreten. Ein Stück, das Sie mit ihrem Kollegen Mirkus Hahn vor mehr als einem Jahr in Deutschland gespielt haben. Was für Feedback kam danach?
Es ist unterschiedlich: Viele sagen einfach nur, es war ganz nett, aber es hat sie nicht so richtig interessiert. Aber viele sind davon begeistert und sagen, es ist toll, weil es so eine Mischung aus tragisch-komischen Elementen ist. Es ist aber ganz normal, dass die Leute den Abend unterschiedlich empfinden.
 
Was waren Ihre bisherigen Rumänienerfahrungen?
Ich habe mich hier eigentlich sehr wohl gefühlt. Ich fand die Stadt von Anfang an sehr schön und die Leute ganz herzlich. Ich habe hier gern gelebt. Im Theater wurde ich von den Kollegen herzlich aufgenommen, was auch nicht immer selbstverständlich ist. Wir haben uns aber sehr gut verstanden und ich habe auch gleich mit den Proben angefangen. Ich habe sehr viel geprobt und gearbeitet, das Jahr war voll und somit sehr schnell vorbei.
 
Wie schaut Ihr Bild von Rumänien aus?
Ich finde es spannend, würde aber gern aufs Land fahren und mir die Dörfer ansehen. Ich bin nicht dazu gekommen, denn wenn ich ein paar Tage frei hatte, bin ich nach Deutschland geflogen, um meine Freunde dort wieder zu treffen. Es wurde mir aber immer wieder gesagt, dass Temeswar nicht Rumänien ist. Rumänien müsste man in den Bergen, über die Karpaten entdecken, wo es ganz anders sei.
 
Wodurch unterscheidet sich die rumänische von der deutschen Theaterszene?
Es ist gar nicht einfach, diese Frage zu beantworten. Viele haben gesagt, das rumänische Theater ist ein bisschen körperlicher. Inzwischen gibt es aber auch im deutschen Theater viel Körperliches. So kann ich jetzt große Unterschiede gar nicht mehr sehen. Es gibt nur gutes und schlechtes Theater, wie überall. Ich kann nicht mehr sagen, das ist spezifisch rumänisch oder spezifisch deutsch. Ich habe mir auch rumänische Produktionen im Nationaltheater angesehen. Die fand ich ganz interessant.
 
Wie lange bleiben Sie noch in Rumänien?
Ich bleibe auf jeden Fall noch bis Ende Dezember und dann komme ich als Gast immer wieder zurück für „Shaking Shakespeare“.
 
Hitler, Romeo, D´Artagnan… – welche Gestalt war für Sie die größte Herausforderung?
Romeo war sicherlich sehr anspruchsvoll, weil es Shakespeare ist und wir damals sehr lange geprobt haben. Aber auch „Warten auf Godot“ war sehr anspruchsvoll, da wir sehr hart gearbeitet und sechs Tage der Woche geprobt haben, dies über ein Jahr lang. Die Premiere war immer nicht absehbar, weil der Regisseur meinte, wir sind noch nicht so weit. Es war eine Geduldsprobe. Es war auch schwer, an diese Welt von Samuel Beckett heranzukommen.
 
Wie haben Sie Sich entschlossen, Schauspieler zu werden?
Ich habe auf der Schule schon Theater gespielt. Das hat sich dann einfach so herauskristallisiert. Ein anderer Beruf kam auch nicht in Frage für mich. Als Kind wollte ich mal bestimmt was anderes werden, aber ich habe mich bereits als Schüler fürs Schauspiel entschieden.
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