Was ist erlaubt, was verboten?

Das Reifenangebot ist reichlich – die Preise jedoch ziemlich hoch
Winterreifen – Die angedachte Vorschrift lässt viele Fragen offen/ Von Andreea Oance
 Verkehrsministerin Anca Boagiu hat vor Kurzem die rasche Einführung einer Winterreifen-Pflicht für Autofahrer gefordert und der Regierung die entsprechende Vorlage für einen Dringlichkeitsbeschluss vorgelegt. Alljährlich sollen die Autofahrer verpflichtet werden, zwischen dem 1. November und dem 31. März ihre Autos mit Winterreifen auszustatten. Wer sich weigert – der zahlt. Bußgeld. Aber wie schaut die genaue Vorschrift aus, die, inzwischen wissen wir es genauer, erst 2011 voll in kraft tritt?
Das Winterreifengesetz ist wieder mal so eine Vorschrift, die mannigfache Missverständnisse geriert. Die Verabschiedung des Dringlichkeitserlasses der Regierung ist zwar aufgeschoben worden, aber manche ihrer Verfügungen werden trotzdem schon in diesem Winter zur Anwendung kommen. Inzwischen sollen die Gesetzeslücken geklärt werden – hoffen zumindest die Fahrer. Denn viele unter ihnen sind derzeit noch im Unklaren. Was passiert mit den Autos, die mit Allwetter-/All-Season-Reifen ausgestattet sind, das ist eine der Fragen. Denn nirgends wird erwähnt, ob die Allwetterreifen nun auch als Winterreifen gelten oder nicht. Im Pkw-Bereich werden eben neben den Sommer- und Winterreifen auch sogenannte Allwetter- oder Ganzjahresreifen angeboten.
Namen wie „Allweather“ oder „All Seasons“ deuten an, dass diese für das ganze Jahr geeignet sind. Diese Reifen haben auch ein spezielles Zeichen auf der Reifenflanke – Schneeflocke, Blatt, Sonne und Regentropfen – diese symbolisieren die unterschiedlichen Witterungsbedingungen, für die sich der Reifen eignet. Was passiert, wenn also ein Autofahrer solche „Reifen-für-alle-Fälle“ aufgezogen hat? Davon spricht die neue Gesetzgebung überhaupt nicht.
Ein Temeswarer Ingenieur hat in diesem Sommer einen Gebrauchtwagen gekauft. Das Auto war mit All-Seasons-Reifen ausgestattet. Nun bleibt eine Frage offen: „Muss ich jetzt extra noch Winterreifen kaufen? Bekomme ich eine Geldstrafe, wenn ich das nicht tue und es passiert etwas ?“ fragt sich der junge Ingenieur Dan Cojocar.
Auch die Frage, ob man zwei oder vier Reifen braucht, bleibt noch im Unklaren, denn grundsätzlich müssten nur die Reifen der Antriebsachse Winterreifen haben – sagen zumindest alte Autofahrer.
Die meisten Temeswarer äußern ihre Unzufriedenheit bezüglich der Regelung, die schon ab dem 1. November in Kraft hätte treten sollen. Der Dringlichkeitserlass wolle grundsätzlich für die Sicherheit der Bürger sorgen. So wurde diese Initiative von der Verkehrsministerin Boagiu dargestellt. Die Abschleppkosten und die sozial-wirtschaftlichen Kosten seien zu hoch, wenn unverantwortliche Autofahrer die Straßen im Winter blockieren, fügte sie als Argument hinzu. Doch die Autofahrer glauben, dass dies nur ein falsches Argument für die Einführung der neuen Regelung sei.
„Ich bin sicher, dass wieder Geschäfte irgendwelcher Politiker dahinter stecken. Es ist blanker Unsinn, wenn man bei 20 Grad Celsius – wie in diesem November – Winterreifen benutzen muss“, sagt Cosmin Muresan, ein 29-jähriger Mechaniker. „Jedermann weiß, dass auf trockenem Asphalt die Winterreifen wie auf Schmirgelpapier abgeschliffen werden“, fügte er hinzu.
Bei Nichteinhaltung der Regelung stehen aber Bußgelder zwischen 2.500 – 4.000 Lei an, wie es der Entwurf für den Dringlichkeitserlass von Anca Boagius Gnaden vorsieht. Andrerseits: „Fast 1.000, Lei so von heut auf morgen, aus der Tasche zu ziehen, um Winterreifen zu kaufen? Und das bei 1.500 Lei Gehalt im Monat? Das kann ich mir einfach nicht leisten“, beschwert sich eine Autofahrerin.
Fachleute im Bereich der Automechanik weisen die Notwendigkeit der Winterreifen nicht von sich, doch sie meinen, dass diese Regelung nur bei echtem Winterwetter gültig sein soll und nur dann, wenn sich Autofahrer außerhalb der Stadt begeben. Und das scheint, letzten Meldungen zufolge, auch in diesem Winter zu gelten. Doch eins ist sicher: egal wo ein Unfall verursacht wurde und das Auto nicht gemäß der Regelung ausgestattet ist, die Versicherungsfirmen werden die Schäden nicht abdecken. Erklären sie einstimmig.
Welche Reifen am besten für den Winter geeignet sind? Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e.V. (ADAC) hat in diesem Herbst die besten Reifen getestet und den Unterschied zwischen Sommer- und Winterreifen erklärt. Ein Sommerreifen muss vor allem über gute Nass- und Trockenbremseigenschaften verfügen, mit Aquaplaning zurechtkommen, Komfort bieten und eine hohe Laufleistung haben. Ein Winterreifen muss vor allem eine gute Gummi-Haftung haben, eine ordentliche Schnee-Schnee-Reibung sowie einen ausreichenden Griffkanteneffekt. Dabei kommt es besonders auf ein geeignetes Profil an.
Laut ADAC sind Ganzjahresreifen ein Kompromiss. Vielfahrer sollten Spezialreifen kaufen. In der Praxis sind Ganzjahresreifen reinen Sommerreifen im Winter weit überlegen, reichen aber nicht an echte Winterreifen heran, sagen die Fachleute des deutschen Automobilclubs. Im Winter erzielen sie auf Eis und Schnee nicht den gleichen Grip, die gleiche Haftung wie Winterreifen. Der Effekt verstärkt sich, je niedriger die Temperatur ist. In der heißen Jahreszeit sind Ganzjahresreifen den Sommerreifen unterlegen. Besonders spürbar ist das beim Bremsverhalten.
Auch wenn die Preise für passable Reifen ziemlich hoch angesetzt sind, warnen die Fachleute: Achtung, billige Reifen sind gefährlich!
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