Gespräch mit Cristian Muntean

Standortempfehlungen sind nicht zu verallgemeinern
Automobilzulieferer sehen Rumänien-Investition weiterhin sinnvoll
Das Kompetenzzentrum Rumänien der IHK Pfalz veranstaltet am 1. Dezember
2010 in Ludwigshafen den 12. Wirtschaftstag Rumänien. Einer der Redner wird auch der Temeswarer Cristian Muntean sein. Er ist Leiter der Kontaktstelle der Rheinland-Pfälzischen Wirtschaft in Rumänien und begleitet seit Jahren deutsche Wirtschaftsdelegationen. Siegfried Thiel sprach für die Banater Zeitung mit Cristian Muntean zum Thema Wirtschaftsklima in Rumänien aus der Perspektive deutscher  Investoren.
 
Wir stehen vor dem Rumänien-Wirtschaftstag in Rheinland-Pfalz. Gerade in Krisenzeiten drängt sich schon die Frage auf: Ist ein solcher Wirtschaftstag jetzt angebracht, oder ist es nur ein Mittel, um die Tradition zu bewahren?
Beides. Ich muss sagen, die Kammer in Ludwigshafen ist schon seit Jahren sehr aktiv in Richtung Rumänien. Sie ist Schwerpunktkammer bundesweit für Rumänien und die Veranstaltung vom 1. Dezember ist die zwölfte dieser Art. Also seit zwölf Jahren hat die Handelskammer jeweils eine Wirtschaftstagung für  Rumänien organisiert. In Zusammenhang mit der Krise denkt man, dass sich die Situation in Deutschland ein bisschen entspannt hat. Man merkt, dass sich die Auftragslage in Deutschland gebessert hat. Trotzdem gibt es meist kurzfristige Aufträge – man kann also noch nicht langfristig planen. Man hofft aber, dass die Situation sich bessert und von daher denken wir, dass diese Veranstaltung zum Thema Rumänien neue Impulse für diejenigen geben wird, die in Rumänien aktiv werden möchten.
 
Ist die Tatsache, dass die Wirtschaft noch nicht so richtig in Fahrt gekommen ist, auch ein Grund gewesen, dass es in diesem Herbst keine Wirtschaftsdelegation aus Rheinland-Pfalz in Rumänien gegeben hat?
Das ist schwer zu sagen, wir haben jährlich mindestens zwei Delegationen aus Rheinland-Pfalz gehabt. Die eine kam immer im Frühjahr, die andere im Herbst, zwischendurch kam eine auch Anfang Sommer. In diesem Jahr hat es gar keine Delegation dieser Art gegeben. Das betrifft aber nicht nur Rheinland-Pfalz. Ich habe enge Kontakte auch mit anderen Bundesländern, z.B. Baden-Württemberg, die über die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landes, Baden-Württemberg International, auch sehr präsent in Rumänien waren. Denen ist es auch nicht gelungen, eine Reise nach Rumänien zu organisieren. Ich weiß aber auch, dass solche Initiativen auch in den anderen osteuropäischen Ländern genauso wenig erfolgreich waren. Man kann es so sehen, dass die deutsche Wirtschaft sich noch immer nicht hundertprozentig traut, nach Osteuropa zu gehen. Es ist nicht eine spezifische Situation für Rumänien.   
 
In vielen osteuropäischen Ländern sind inzwischen Lohn- und Arbeitskosten sehr stark gestiegen. Muss man da umdenken?
Das ist eine Tatsache. Bis jetzt wurde Rumänien, aber auch die anderen osteuropäischen Länder als Billig-Lohn-Länder betrachtet und die überwiegende Mehrheit ausländischer Investitionen ist wegen der günstigen Fertigungsbedingungen durchgeführt worden. Der Investitionsstandort Rumänien mag jetzt für einige Branchen nicht mehr interessant sein. Wenn wir nur an die Textilien- oder Schuhbranche denken, dann sieht man, dass sehr wenige Firmen nach Rumänien kommen, um eine Investition zu starten. Ich denke aber, dass bestimmte Branchen, wie die Automobil-Zuliefer-Industrie oder der Dienstleistungssektor für  Rumänien, attraktive Standorte bleiben werden, auch wenn die Löhne nicht mehr so niedrig sind, wie noch vor einigen Jahren.
 
Inwiefern gewinnt der Slogan „Just in time“ an Bedeutung, da man eher eine Ware aus Rumänien nach Deutschland liefern kann als z.B. aus China?
Das ist ohnehin von großer Bedeutung, vor allem jetzt, wo diese kurzfristigen Aufträge schnell erledigt werden müssen. Diejenigen, die schon Produktionsfirmen bzw. Tochtergesellschaften in Rumänien hatten, konnten kurzfristig und kostengünstig die Produkte hier fertigen und nach Westeuropa liefern. Ich kenne Firmen, die diese Standortvorteile als Argument genutzt haben. Die Firmen aus der Automobilindustrie, die hier präsent sind, die sind alle dabei, jetzt ihre Produktionskapazitäten zu erweitern. Zumindest für diejenige, die vor Ort sind, ist es ein Zeichen, dass die Krise in Deutschland langsam vorbei ist.
 
Sie, als Kontaktstelle, bringen immer wieder Wirtschaftsdelegationen nach Rumänien. Inwiefern haben Sie Kenntnis davon, was aus den geknüpften Kontakten geworden ist?
 
Wir haben viele Beispiele, dass sich Firmen im Anschluss an die Delegationsreisen hier niedergelassen haben. Ich habe konkrete Beispiele von Investitionen, die sehr wichtig für die Region sind. Aber es sind sehr viele kleinere oder mittelständische Firmen, die nach solchen Reisen Investitionen getätigt haben. Und ich spreche jetzt nur über Temeswar/Timisoara, wobei die Reisen, die wir in den letzten Jahren, gemeinsam mit unseren Partnern aus Deutschland organisiert, auch andere Standorte berücksichtigt haben. Hermannstadt/Sibiu, Kronstadt/Brasov, Sathmar/Satu-Mare, Großwardein/Oradea. Viele Reisen gingen auch nach Bukarest. Dann auch nach Konstanza/Constanta,  Jassy/Iasi, Mediasch/Medias, Neumarkt/Târgu Mures, Karlsburg/Alba Iulia. Das sind alles Standorte, wo wir gewesen sind und überall sind einige Zeichen geblieben. Aber der größte Teil der Firmen, deren Vertreter hier in Rumänien waren, die z.B. Partner gesucht haben, die haben nicht unbedingt eine Niederlassung aufgebaut. Sie knüpften jedoch wirtschaftliche Kontakte zu rumänischen Firmen; haben entweder Produktions- oder Vertriebspartnerschaften aufgebaut.
 
Wenn Sie Ihren Vortrag halten in Ludwigshafen, am 1. Dezember, wie werden Sie für Rumänien werben? Für welche Standorte?
 
Ich werde schon das Thema Arbeitskräfte berücksichtigen, weil dies das wichtigste Kapital ist, das wir haben. Man muss bei einer Investition  die Region sehr sorgfältig auswählen, um genügend passende Arbeitskräfte dort vor Ort finden zu können. Die Empfehlungen für die jeweiligen Standorte, müssen vom Spezifikum jeder Investition abhängig gemacht werden. Also, allgemeine Standortempfehlungen würde ich nicht unbedingt machen, sondern abhängig von der Tätigkeit der Firma, von der Absicht, was die machen wollen – Produktion, Dienstleistungen oder Vertrieb – wie viele Mitarbeiter sie benötigen…
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