Banater Dorfgeschehen in Neuauflage

Originalausgabe stammt von 1928
„Uf´m Dorf gehts immer schön, wann viel Leut beinaner sin. Do wert groppt un gfoppt un weh dem, der sich net wehre kann! Beim Weinlese, beim Schweinschlachte, Beiführe, Kukruzliesche, do gehts manchmol wunerschön. Wann a Musikant odr a Balwiere in dr Gsellschaft is, no fehlts überhaupt net an Stoff. Weil die Musikante tun viel rede un die Balwiere – tun wenich die Wohrheit saan. Do were machmol Rittersgschichte verzählt, daß am die Hoor rausgehn, wann mr gnau zuhorcht.“ Mit dieser Passage aus der Geschichte „Wie´s uf´m Dorf zugeht“ zeigt Thanielpheder nicht nur das banat-schwäbische Dorfleben auf, sondern macht damit – gewollt, oder auch ganz ungewollt – ein Resümee über sein „Pollerpeitsch-Buch“, erschienen unter dem Titel: „Gschichte vun die korzi Ele un vun die langi Wuche“.
Kirchweih, Sparsamkeit, christliche Feiertage und traditionell wichtige Aspekte, wie das Schweineschlachten kommen dabei zum Ausdruck. Quer durch das Banat geht der Streifzug des Buchautors in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, von Hodony und Nitzkydorf über Hatzfeld, Lenauheim und Billed bis nach Marienfeld.
„Viele humorvolle Geschichten des bekannten ´Pollerpeitsch´-Herausgebers Tanjelpheder schildern das Banater Dorfleben so spannend und abwechslungsreich, dass auch dem heutigen Leser dieser „schwowische“ Erzählungen die längst untergegangene donauschwäbische Kultur der Vorkriegszeit lebendig vor Augen geführt wird oder er in liebevollen Erinnerungen an die alte Heimat versinkt
Dieser ansprechend gestaltete Nachdruck der Originalausgabe von 1928 ist ein Leservergnügen für alle Freunde des Banats und lebendige Geschichte für die Enkel und Urenkel jener „Schwowe“, die diese Zeiten nicht mehr selbst miterlebt haben“, steht es im Nachwort zu dem 2010 in Lahr/Deutschland herausgegebenen Nachdruck.
 
Editorischer Hinweis: Über ihren Unterhaltungscharakter hinaus haben die „G`schichte vun die korzi Ele un vun die lange Woche“ heute nicht nur für die Donauschwaben einen hohen kulturhistorischen Wert. Sie stellen auch eines der wenigen schriftlichen Zeugnisse Banater Kultur dar, den sowohl die örtlich unterschiedlichen Mundartfärbungen als auch viele dargestellten Aspekte des dörflichen Lebens belegen.
 
Bei der vor Kurzem erschienenen Ausgabe handelt es sich um den Nachdruck der 1928 von der Schwäbischen Verlags-Aktiengesellschaft in Temeswar herausgegebenen Ausgabe. Bis auf die Überschriften wurde die ursprüngliche Fraktur-Schrift durch eine Serifenschrift ersetzt, die den heutigen Lesern zugänglicher ist. Zudem wurde die Bedeutung weniger bekannter Wörter in Klammern nachgestellt erläutert. Schließlich sind zur Untermalung des dörflichen Kolorits der Texte einige Original-Bilder aus der „Pollerpeitsch“ eingefügt, die Originalausgabe war bilderlos.
 
Hinter dem Pseudonym „Tanielpheder“ verbirgt sich der donauschwäbische Journalist und Schriftsteller Peter Winter. Das Pseudonym hat sich der Autor in Anlehnung an die Familientradition gewählt, den jeweils ältesten Sohn „Daniel“ zu nennen, in Banater Mundart „Taniel“. In Kombination mit dem eigenen Vornamen entsteht so das Pseudonym „Tanielpheder“.
Der Autor wurde am 5. Februar 1898 in der Ortschaft Ostern/Comlo{u Mic geboren. Der Handwerkersohn besucht die Handelsschule in Temeswar/Timi{oara und studiert anschließend in Szegedin, Budapest und Wien. Er wird zunächst Bankbeamter, 1928 gibt er jedoch diesen Beruf auf und gründet die „schwowische“ Wochenzeitung „Pollerpeitsch“.
„Tanielpheder“ bereist das ganze Banat und ist bei dem dörflichen Hauptereignis, der „Kerwei“, meist selbst zugegen. Durch seine Lesernähe werden ihm viele Dorfgeschehnisse zugetragen – in seiner Publikation veröffentlicht er diese auf humoristische Art.
1945 erhält er von der kommunistischen Führung totales Schreibverbot. In den gerade mal zwanzig Jahren seines Wirkens hat der am 26. Dezember 1985 im Schwarzwald gestorbene Autor „eines der umfangreichsten ´schwowischen´ Textwerke hinterlassen, das durch seine detailreiche Beschreibung von Alltag und Brauchtum zu einem wichtigen  kulturhistorischen Zeugnis der donauschwäbischen Kultur geworden ist“, so in den biographischen Daten zum Autor.
Siegfried Thiel
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