Reifenwerk gilt als Vorreiter umfangreicher Investitionen

Continental: Seit zehn Jahren auf dem Gelände des ehemals größten Werkes im Verwaltungskreis Temesch/Timis
Continental AG: seit zehn Jahren mit Niederlassung in Temeswar
Von Siegfried Thiel
 
Einige Hundert noch verbliebene Angestellte im Temeswarer Maschinenbauwerk UMT, ein Stadtviertel ohne Perspektiven, in dem die Wohnungen meist leer standen, weil sich ein Verkauf kaum lohnte. Dann wurde die alte Werkzeugschlosserei an den Avram-Imbroanie-Straße in Richtung Temeswarer Jagdwald abgerissen. Die Continental AG baute eine Produktionsanlage für ihr Reifenwerk – man schrieb das Jahr 2000. Die Reformen hatten zaghaft eingesetzt, doch Rumänien hatte eine schwach entwickelte Wirtschaft, die das Land aus eigener Kraft nicht hochpäppeln konnte, während ausländische Investitoren nur zögerlich nach Rumänien gekommen waren. In diesen Zeiten entschied sich Continental zum Bau eines Reifenwerkes und einer Sofortinvestition von 200 Millionen DM und gilt als Vorreiter für viele weitere Investitionen aus dem deutschsprachigen Raum.
„Wir sind nun offen für Großinvestitionen“, sagte am Eröffnungstag der damalige Premierminister und heutige Notenbankchef, Mugur Isarescu, der Banater Zeitung. Und symbolträchtiger ging es gar nicht mehr: Am gleichen Tag, an dem Continental die Reifenproduktion anfuhr, wurde 80 Kilometer weiter westlich die Grenze bei Tschanad/Cenad eröffnet.   
 Immer wieder Neuinvestitionen
 200 Mitarbeiter haben bei der Firmengründung hier gearbeitet, zehn Jahre später sind es 1600, sagt der heutige Betriebsleiter Pedro Carreira. In dieser Zeitspanne ist also die Zahl der Arbeitnehmer um das Achtfache gestiegen, außer dem Reifenwerk gibt es eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Nicht unwichtig ist das große Continental-Reifenlager in der Nähe der Gemeinde Sackelhausen/Sacalaz – 10 Kilometer von Temeswar entfernt. Die Investitionen ziehen sich eigentlich über die ganze Zeitspanne seit dem Produktionseinstieg in Rumänien hin.
Drei Jahre lang hatte das Tauziehen um die Umweltzulassung gedauert. Fehler hatte es scheinbar von allen Seiten gegeben. Eine Bürgerinitiative protestierte gegen den Geruch verbrannten Kautschuks aus dem Werk. Seit diesem Sommer gibt es nun auch die lange ausstehende Genehmigung, was gleichzeitig bedeutet, dass das deutsche Unternehmen weitere 50 Millionen Euro in das Temeswarer Reifenwerk investieren wird, womit das Gesamtvolumen auf 220 Millionen Euro ansteigt. Der Bau einer neuen Halle für die Grundmischung steht nämlich an: die Arbeiten sollen 2012 abgeschlossen werden. „Diese Investition zeigt, dass wir in Temeswar langfristig planen“, sagt Betriebsleiter Carreira. Ganz konkrete Ziffern: In den zehn Jahren wurden bei Continental Automotive Products 90 Millionen Reifen hergestellt. Angepeiltes Pensum: 14 Millionen/Jahr.
 Landesweite Expansion
 Aus der Kommunikationszentrale der Continental AG in Hannover wird die Rumänien-Expansion des Konzerns so beschrieben: „Die Division Passenger and Light Truck Tires von Continental begann ihre Aktivitäten in Rumänien 2000 in Temeswar/Timisoara mit einer Investition in ein Werk `auf der grünen Wiese` zur Herstellung von PKW-Reifen“. Im gleichen Jahr eröffnete Siemens Automotive VDO seine Forschungs- und Entwicklungsabteilung (F&E). Später kam auch eine Produktionsabteilung an der Busiascher Straße in Temeswar hinzu. Heute gehören beide, zusammen mit den F&E Abteilungen in Hermannstadt/Sibiu und Jassy/Iasi, zur Cotinental-Automotive-Sparte.  2002 kam die Division ContiTech nach Temeswar und errichtete ein Werk für den Geschäftsbereich Power Transmission. ContiTech expandierte 2003 weiter mit einem Produktionswerk des Geschäftsbereichs ContiTech Fluid. Im Jahr 2004 weihten die Divisionen der Automotive Group ein Produktionswerk für Elektronikeinheiten in Hermannstadt ein. Im Jahr 2005 übernahm Continental die Phoenix AG. Die Divisionen von Continental Automotive errichteten 2006 ein Werk für Elektronikeinheiten in Temeswar und ein F&E-Zentrum in Jassy. Im Jahr 2007 übernahm Continental das Unternehmen Thermopol Ltd. und das Produktionswerk in Nadab wurde in den Geschäftsbereich von ContiTech eingegliedert.“
 Continental gehört mit einem Umsatz von ca. 20 Mrd. Euro im Jahr 2009 weltweit zu den führenden Automobilzulieferern und beschäftigt derzeit rund 138.000 Mitarbeiter in 46  Ländern.
Bis Ende 2009 investierte der Continental-Konzern mehr als 400 Mio. Euro in seine rumänischen Betriebsstätten. Sowohl die Automotive Group als auch die Rubber Group und fünf der sechs Konzerndivisionen sind in Rumänien vertreten. Continental besitzt acht Produktionswerke sowie drei Forschungs- und Entwicklungszentren in Temeswar, Hermannstadt, Großkarol/Carei, Arad und Jassy. Continental ist an einem Joint-Venture in Slatina und einem Reifendistributionscenter für Osteuropa in Sackelhausen/Sacalaz beteiligt. Derzeit beschäftigt Continental etwa 8.300 Mitarbeiter in Rumänien.
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