Interview mit Universitätsprofessor Thomas Wunderlich

Prof. Wunderlich hielt in Temeswar einen Vortrag über Tunnelbau.
Interview mit Universitätsprofessor Thomas Wunderlich
 
„Ich lebe für Tunnels“,  sagt Professor Thomas Wunderlich (55) vom Lehrstuhl für Geodäsie an der TU München. Am Freitag war der Uni-Lehrer in Temeswar/Timisoara zu Gast, wo er einen Vortrag über moderne geodätische Vermessungskonzepte im Tunnelbau hielt und seine Erfahrungen beim Bau des Gotthard-Basistunnels in der Schweiz schilderte. Thomas Wunderlich, der für die Zusammenarbeit der TU Politehnica mit der TU München zuständig ist, erhielt nach dem Vortrag den Titel eines Ehrenprofessors der Temeswarer Universität. Raluca Nelepcu traf den Geodäten in Temeswar und führte mit ihm folgendes Gespräch.
 
Wie hat Ihre Zusammenarbeit mit der TU Politehnica begonnen?
 
Meine Zusammenarbeit mit der Politehnica entstand durch eine Vortragseinladung im Jahr 2001. Ich erhielt damals die Einladung, nach Temeswar zu kommen, um über moderne Ingenieurvermessung einen Vortrag zu halten. Ich nahm die Einladung sehr gerne an, vor allem, weil man hier auch ein sehr großes und junges Publikum hat, das sehr interessiert ist. Ich kann mich erinnern, dass an die 200 Studenten anwesend waren, die zuhörten – das war sehr schön. Herr Radu Bancila (Anm.d.Red. Initiator der Zusammenarbeit zwischen der TU München und der TU Politehnica) hat sich sehr bemüht, mir Temeswar gut zu präsentieren, so dass ich gleich im nächsten Jahr gerne wiedergekommen bin und inzwischen eben zum Beauftragten für die Zusammenarbeit gewählt wurde. Ich bin schon das sechste Mal in Temeswar.  Hervorzuheben ist aber auch, dass die Zusammenarbeit mit der TU Politehnica von der TU München durch Herrn Präsidenten Dr. H.C. Wolfgang A. Herrmann persönlich unterstützt wird. Herr Herrmann war schon zwei Mal in Temeswar und ist Ehrendoktor der Politehnica.
 
Was hat Sie motiviert, bei diesem Projekt der Zusammenarbeit zwischen der TU München und der TU Politehnica mitzumachen?
 
Die Eindrücke von diesem ersten Vortrag und das Umfeld in Temeswar haben mich sehr positiv beeindruckt. Herr Bancila versteht es, sehr gastfreundlich zu sein.
 
Welche Erfahrungen haben Sie in diesen neun Jahren gemacht?
 
Durchwegs gute Erfahrungen. Ich habe auch gute Gefühle gehabt. Die Doppelbachelor-Studenten kommen nach München und somit praktisch in eine neue Welt, deswegen haben sie am Anfang meist Probleme mit der Anpassung. Wenn man ihnen ein bisschen hilft, ist es sehr angenehm, zu sehen, was sich daraus entwickelt und wie dankbar sie sind. Die ersten Doppelbachelor-Studenten haben weiter studiert und machen nun einen Master. Es ist sehr schön, mit jungen Leuten zusammenzuarbeiten.
 
Welchen Unterschied gibt es zwischen den rumänischen und den deutschen Studenten?
 
Die rumänischen Studenten haben am Anfang Schwierigkeiten, sich mit den deutschen Studenten zusammenzufinden und gemeinsam mit ihnen zu lernen. Wir haben immer wieder versucht, sie zu integrieren. Inzwischen funktioniert das sehr gut und dadurch sind auch die Erfolge größer geworden. Die rumänischen Studenten sind weniger anfällig für die Freizeitreize von München, da lassen sich die deutschen Studenten mehr darauf ein. Die rumänischen Studenten nehmen ihr Studium in Deutschland wirklich sehr ernst. Ich habe sie als sehr fleißige und talentierte Studenten kennengelernt.
 
Inwiefern fördert diese Zusammenarbeit den „Brain-Drain“ aus Rumänien nach Deutschland?
 
Ich glaube, man muss davor keine Angst haben. Natürlich gibt es Interessen von Absolventen aus Rumänien, einen guten Arbeitsplatz in Deutschland anzunehmen, das ist klar. Aber auch umgekehrt gibt es zum Beispiel genügend Wirtschaftsinteressen Bayerns in Rumänien. Bayrische Baufirmen, die sich in Rumänien ansiedeln und die gerade rumänische Absolventen, die gut Deutsch sprechen, vor Ort brauchen. Dadurch, würde ich sagen, gibt´s keinen entscheidenden „Brain-Drain“.
 
Der rumänische Bausektor steckt zur Zeit recht tief in der Krise. Und trotzdem entscheiden sich viele junge Leute, Bauingenieurwesen zu studieren. Was ist das Faszinierende an diesem Beruf?
 
Faszinierend ist, dass man auch wirklich am Objekt etwas leisten kann. Abgesehen davon, dass Planungen natürlich am Computer im Büro entstehen. Irgendwann muss man auch vor Ort Hand anlegen und dort sein, während andere Berufe gar keinen Kontakt mehr mit praktischen Dingen haben. Und das ist auch im Fenster Geodäsie, in dem ich lebe, mein Interesse, dass ich Ingenieurgeodäsie mache, also am Objekt bin. Andere vermessen den Mars, sie kommen aber nie hin. (lacht)
 
Bei Ihrem Vortrag haben Sie gemeint: „Ich lebe für Tunnels“. Von wo dieses große Interesse dafür?
 
Ich kann Ihnen nur sagen, dass ich als Kind bereits im Schnee Tunnels gegraben habe und das war von je her ein Interesse für mich. Es hat sich dann eben so entwickelt. Ich fühle mich auch wohl in Tunnels. Viele Menschen gehen nicht gern in eine dunkle Röhre hinein oder fühlen sich unwohl gerade unter dem Meer. Ich fühle mich dort sicher und wohl.
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Eine Antwort zu Interview mit Universitätsprofessor Thomas Wunderlich

  1. lucius fascius schreibt:

    Kompliment für den interview!

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