Wärmedämmung: Kaum akzeptierbare Spielregeln

Petru Olariu kritisiert: Außenfassade wurde nicht einheitlich saniert 

Thermische Sanierung der Plattenbauten wird noch lange dauern

Rumänien hätte sich das Projekt zur Wärmedämmung nicht patentieren lassen können, denn andere Länder haben es bereits initiiert und führen es auch wesentlich erfolgreicher durch. Gerade die Plattenbauten in Rumänien haben jedoch eine solche Dämmung bitter notwendig. Die Bilanz acht Jahre nach dem ersten Konzept dieser Art ist jedoch eine ganz traurige und noch trister, das Geld für Projekte dieser Art scheint langsam auszugehen.
Adam R. sitzt in einem Appartement, das in das Programm zur Wärmedämmung in Temeswar/Timi{oara mit einbezogen wurde. Eigentlich müsste er glücklich sein, denn die Renovierungen am Dach und an den Seitenwänden sind fast abgeschlossen. Neue Fenster wurden eingesetzt und auch die Leitungsrohre werden bald qualitätsmäßig besser. Die Tatsache, dass er auch seinen eigenen finanziellen Beitrag bereits geleistet hat, stimmt ihn eigentlich glücklich. Und trotzdem: „Bis sich die Investition aus meinem Eigenbeitrag auch finanziell gelohnt hat, lebe ich vielleicht gar nicht mehr“, sagt der 73 Jahre alte Temeswarer. Auf Gesamtsummen zwischen 2-4.000 Euro kommt – je nach Größe – die Wärmedämmung pro Appartement. 50 Prozent der Kosten werden aus Regierungsgeldern gedeckt, 30 Prozent übernimmt die Stadt und für die restlichen 20 Prozent müssen die Wohneigentümer aufkommen. „So war es jedenfalls bis in diesem Jahr“, schränkt Petru Olariu, Vorsitzender des Verbandes der Wohngemeinschaften (FALT) in Temeswar ein. Die Regierung hat jedoch seit diesem Jahr trotz aller guten Ansätze 2008 – 2009 kein Geld mehr für solche Investitionen und will nur noch für die Bankzinsen aufkommen.
Obwohl das Regierungsprogramm 2002 begann, kann man von einem konkreten Umsetzen erst ab 2008 sprechen. Vor zwei Jahren wurden in Temeswar gerade mal drei Wohnblocks thermisch saniert – fertig gestellt wurden sie eigentlich erst 2009. Im gleichen Jahr wurden 72 weitere Plattenbauten in das Programm aufgenommen, an 47 wird gearbeitet, einer davon ist jener von Adam R. Irgendwie versucht der Rentner eine Rechnung – er will nämlich erfassen, in wieviel Jahren sich für ihn die Investition gelohnt hat, denn „bei mir ist die Heizung eh fast den ganzen Tag über abgeschaltet. Ich bin ja abgehärtet aus dem Kommunismus, auch meine Rente kann mit den Heizkosten nicht mithalten. Zum Glück sind die Winter heute weniger streng als in meine Kindheit“, lächelt der Rentner bitter. Seine Kinder werden sich jedoch irgendwann mal leichter tun, die Wohnung zu verkaufen oder zu vermieten. Die Wärmedämmung wird schon bald ein wichtiges Absatzkriterium darstellen, denn Petru Olariu
glaubt, dass es noch sehr lange dauern wird, bis alle Wohnblocks in Rumänien Wärmedämmung haben. „Ich habe irgendwo gelesen, dass in diesem Rhythmus etwa 200 Jahre dazu notwendig sind“, sagt der Vorsitzende der Temeswarer Wohngemeinschaften.

Wenig Optimismus auch beim Temeswarer Vizebürgermeister Sorin Grindeanu. Seine Berechnungen sind noch pessimistischer, denn bloß 47 statt der anfänglich geplanten 72 Wohnblocks wurden in Temeswar auch finanziert. „Anträge gab es um die 400“, sagt Sorin Grindeanu. Die Regierung sagte zunächst Fonds für die Sanierung von 55 Gebäuden, also 15 Millionen Lei zu. Dann wurden an die Stadt jedoch nur 11,5 Millionen überwiesen, also musste diese zurückschrauben und sich auf 47 Wohnblocks beschränken. „Dass es am Anfang gut lief, ist dem ehemaligen Minister für Regionalentwicklung Vasile Blaga zuzuschreiben. Die neue Ministerin für dieses Ressort, Elena Udrea, hat das Unterfangen kalt gestellt, indem sie die Regeln änderte“, sagt Grindeanu. Die Regierung will demnach nur noch die Bankzinsen der Wohnungsinhaber übernehmen; diese müssten jedoch 70 Prozent der Renovierungskosten tragen, die Stadt bliebe bei 30 Prozent. Auch sonst: 90 Prozent der Mitglieder der Wohngemeinschaft müssten mit der Wärmedämmung und ihrem nun viel höheren Eigenbeitrag einverstanden sein, sowie die Eigentumswohnung mit einer Hypothek belegen – Spielregeln, die einer wie Adam R. bestimmt nicht berücksichtigen wollte und könnte, auch wenn die Heizkosten nach der Sanierung angeblich um 20-30 und gar 40 Prozent zurückgehen.

Siegfried Thiel

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Wirtschaft und Umwelt veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s